Un- und Vorhergesehene Hindernisse

Wie ich bereits ein- oder zweimal sanft erwähnte, war mein bisheriger Gesundheitszustand eher uncool.

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Story of my life?

Mit meinem Medikament (Tecfidera) war ich auch nicht glücklich – der Einschlag der Nebenwirkungen war keineswegs so mild wie damals vom Neurologen angekündigt, sondern deckte einen Großteil des Beipackzettels ab.

 

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Brennen…?

Gut, ich habe nicht angefangen, zu brennen.

So ziemlich alles andere war dabei, und da ich keine Lust hatte, auch noch die extrem unwahrscheinliche, aber dafür auch ziemlich tödliche Hirnentzündung mitzunehmen, habe ich mich bereits Anfang des Jahres für ein anderes Medikament entschieden. Aber bis dann alle Hürden überwunden waren, ich endlich Termine bei den zuständigen Ärzten hatte, ein neues Kopf-MRT gemacht war und so weiter und so weiter, war es dann auch August. Also habe ich vor einem Monat auf tägliche Spritzen umgestellt (Copaxone), und zwar mit der unschätzbaren Hilfe einer MS-Schwester.

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Nicht diese Art von MS-Schwester. Das sind die Buchstaben etwas anders. (Quelle: commons.wikimedia.com)

Ungefähr eine Woche nach der Umstellung wurde mir klar, wie krass eigentlich die Nebenwirkungen von Tecfidera gewesen waren- jetzt wo sie weg sind, weiß ich nicht, warum ich so lange mit der Umstellung gewartet habe. Aber anscheinend ist mein Zustand einfach so dermaßen schleichend schlechter geworden, dass ich die Ursache in der Krankheit sah – naheliegend – und nicht in dem Medikament. Nun kann ich nach meinem Gefühl das erste Mal in zwei Jahren wieder ein paar Tage am Stück klar denken, bin nicht mehr permantent am Ende und fühle mich auch nicht morgens schon wie ausgekotzt. An einem schlechten Tag reicht mir ein ein- oder zweistündiges Nickerchen und es geht mir danach tatsächlich besser (andere chronisch Kranke wissen, warum das so abgefahren ist). Ob das nun daran liegt, dass Copaxone die Fatigue positiv beeinflusst, oder mich Tecfidera so dermaßen fertig gemacht hat, oder ob es einfach nur die Euphorie über einen neuen Therapieversuch ist – ich weiß es nicht. Die letzten Wochen waren ein bisschen wie Fahrradfahren ohne Stützräder: Man ist noch wackelig, traut der Sache nicht so ganz, ist aber gleichzeitig total geflasht von dem Gefühl und weiß gar nicht, wo man zuerst hin radeln soll. Und hat natürlich ziemlich Angst davor, es doch noch nicht zu können und plötzlich vor ne Wand zu fahren. (Das ist mir damals als Kind tatsächlich passiert – zu schnell, nicht mehr umme Kurve gekommen, ZACK vor die Wand gekracht. Ich fahre übrigens nicht so gern Rad. Also quasi gar nicht.) Und jetzt muss ich halt wieder von neuem gucken, wann mir die Puste ausgeht und welches Tempo ich fahren kann, um den Tag durchzuhalten, um mal in dieser bescheuerten Metapher zu bleiben.

 

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Der Hipster in den kurzen Hosen steht in dieser Metapher auch für irgendwas, ich bin nicht ganz sicher, für was. Vielleicht für irgendeine Mate-Getränk, oder hat Copaxone schon gespritzt, bevor es cool war. (Quelle: stocksnap.io)

Sowas kann mich dann schon einen ganzen Monat dermaßen auf Trab halten, dass ich meinen Laptop kein einziges Mal anfasse. Sogar meine üblichen Szenenentwürfe für das Buch habe ich völlig altmodisch mit einem echten, analogen Stift in ein echtes, analoges Notizbuch geschrieben, bis mir die Hand wehtat. Abgefahren, wie so eine Umstellung das ganze Leben für ein paar Wochen durcheinander wirbelt – nichts ist mehr festgelegt, ich kann echte Wörter auf echtes Papier schreiben, wer weiß, vielleicht trage ich demnächst meine Unterwäsche als Kopfbedeckung. Anything goes, alles kann, nichts muss. Vielleicht gönn ich mir ganz hart und lese sogar mal wieder ein richtiges Buch. Ohne dabei direkt einzuschlafen.

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ZWO, EINS, RISIKO! (Quelle: stocksnap.io)

Hoffnungsvoll, eure Hannah

 

Zombies Ate Her Brain! 5 Songs für die Apokalypse

Ich muss mal sagen: Ihr seid die besten Leser_innen, die man sich wünschen kann!

Nicht nur haben sich nach meinem letzten Post viele von euch Gedanken gemacht, ich habe auch noch gleich ZWEI neue Paar Bluetooth-Kopfhörer. Ihr seid ja verrückt! Vielen Dank an euch!

Und dank dieser fabelhaften Kopfhörer (die ich dank doppelter Ausführung auch nicht so schnell „in der anderen Jacke/Handtasche“ vergessen kann) muss ich nicht nur das unsägliche Gelaber unerzogener Unterstufenschüler („Amena, Alta!!!“) im Bus NICHT ertragen, ich kann auch das unsägliche Gelaber irgendwelcher Kollegen („Hoch die Hände, Wochenende!!!“) beim gemeinschaftlichen Wandertag ausblenden. Ihr habt meiner geistigen Gesundheit einen großen Gefallen getan.

Und nicht nur das: Auch meine Begeisterung für körperliche Ertüchtigung ist zurück. Ich trainiere jetzt offiziell für die unausweichliche Zombie-Apokalypse – Fahrrad-Ergometer, Stepper, Wandern, und demnächst hoffentlich noch etwas Krafttraining dazu. Soll ja auch eine gute Idee sein bei Depression und MS. Gewicht verlieren oder besser aussehen? Mir egal. Ich will fit sein, wenn die Untoten kommen, so sieht die Sache aus.

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Hascht mich, ihr Zombies!

Und damit ihr von meinem Glück auch etwas habt, teile ich mit euch 5 Songs aus meiner Zombie-Playliste, die ich nun mit meinen genialen Kopfhörern ultrabequem beim Sport hören kann.

1. Zombies Ate Her Brain – The Creepshow

Dazu muss ich nichts weiter sagen, denke ich.

2. Arma-Goddamn-Motherfucking-Geddon – Marilyn Manson

Ihr kennt mich, Manson fehlt in keiner meiner Listen.

3. Louder – Genitorturers

The World’s Sexiest Rock Band. Wer sie nicht kennt, verpasst was.

4. I’m gonna miss you – Weena Morloch

Natürlich ist es ein Milli-Vanilli-Cover. Natürlich gibt es die Songs von Herrn Kaschte nicht einfach so bei Youtube. Deshalb hier der Spotify-Link:

5. Underneath The Mango Tree – Musetta

Fragt mich nicht.

 

Viel Spaß damit!

Lost in Translation?

Heute im Bus setzte ich mich neben ein Mädchen. Ich war auf dem Weg zur Kita, um das Kekskind abzuholen. Das Mädchen lächelte mich an und sagte „Hallo!“, also lächelte ich zurück und sagte auch „Hallo!“, was sie zu freuen schien. Ich fragte mich, ob das Mädchen allein unterwegs war, ich konnte auf den ersten Blick keine erwachsenen Begleiter sehen und sie schien mir irgendwie schutzbedürftig. Vielleicht lag es an der sofortigen, offenen Kontaktaufnahme – meiner Erfahrung nach machen das Kinder nicht unbedingt, weil sie extrovertiert sind, sondern weil sie abschätzen wollen, ob ein Erwachsener freundlich gesinnt ist, ob es sich um eine Bedrohung oder einen potentiellen Beschützer handelt. Ich fischte zwei Hustenbonbons aus meiner Jackentasche und bot ihr eins an. Sie schien sich wieder sehr zu freuen, packte das Bonbon aber nicht etwa aus, sondern leckte zweimal daran und steckte es ein. Ich lächelte sie wieder an. Und plötzlich entspann sich ein Gespräch – zumindest so eine Art Gespräch, denn sie sprach kein Wort Deutsch, ich leider kein Wort Farsi. Aber sie hatte sich offenbar stur in den Kopf gesetzt, sich freundlich mit mir zu unterhalten, und ich tat mein Bestes, es ihr gleich zu tun. Mit Gesten und einigen wenigen Wörtern führten wir also das schönste Busgespräch, das ich jemals hatte.

no border, no nati... what.

no border, no nati… what.

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Nach der Unspiration folgt die Nachdenklichkeit

Wir von der Fettkrassen Marburger Schreibwerkstatt sind ja tendenziell auch eine fettkrasse Grafikwerkstatt. Wie bei allem anderen gehen wir dabei so dilettantisch vor wie nur irgend möglich… und haben nun dennoch unseren Meister gefunden. Gemeint ist natürlich die großartige Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder„. Als ich begann, die Beiträge dieser Seite in meinem Profil zu teilen, war die Reaktion vieler Freunde zunächst Unverständnis und Leugnen des Geschehenen. Nachfolgend durchliefen die meisten dann die klassisch folgenden Phasen der Wut, des Loslassens und schließlich der Akzeptanz (s. Trauerphasen nach Verena Kast).

Ich kann nur jede_n bitten, sich selbst ein Bild zu machen. Ich persönlich kann mich in den tiefen Weisheiten dieser Seite erstmals selbst wiederfinden:

Mir komt 1 Trene ins Auge, wenn igh das lese.

Mir komnt 1 Trene ins Auge, wenn igh das lese.

Danach wirkt natürlich mein eigenes Schaffen sinnlos. Es ist ja nur Demotivational-Plagiat – abgekupfert von veralteten Memes und nerdigen Internet-Jokes aus einer Zeit, in der man noch über Lolcats kommunizierte. Weiterlesen

Aufgewärmtes

Liebe Leser_innen,

leider hat es in den letzten Tagen schlimme Nachrichten in meiner Familie gegeben, weswegen ich nicht zum Schreiben gekommen bin. Bis ich wieder auf der Höhe bin, muss ich euch mit recycelten Artikeln abspeisen.

Bis ganz bald,

Eure Hannah

Mein Leben in Bildern – Alltagsfotos

An Fotografie, die über Schnappschüsse hinaus geht, habe ich mich nie dran getraut. Dabei liegt Fotografie als Hobby und Profisport durchaus bei mir in der Familie – als ich ein Kind war, gab es sogar eine echte Dunkelkammer zur Entwicklung von Fotos… die eine oder andere wird sich erinnern, es gibt nicht immer schon Digitalkameras. Meine erste Fotostrecke war mit einem kleinen Apparat auf Schwarzweißfilm fotografiert – die Erlebnisse meines Wurliwurms (wisst ihr noch, diese wichen, pfeifenreinigerartigen Würmchen an einem Nylonfaden), die allerdings in erster Linie daraus bestanden, von A nach B zu kriechen. Ich glaube, einmal habe ich sogar ein elaboriertes Diorama mit meinen Spielzeugdinosauriern im Garten meiner Oma geschaffen und die prähistorischen Kämpfe von Tyrannosaurus Rex gegen Triceratops nachgestellt. Weiterlesen

Sloppy And Crazy

Inside, outside, all around
We hide in plane sight
Head down

– Storm Large, Inside Outside (from: Crazy Enough)

Du kennst das Gefühl, oder?

Dass du der ganzen Welt etwas vorspielst. Jeden Tag. Dass du versteckst, wer du wirklich bist. Meistens denkst du nicht darüber nach, aber manchmal, da sagt jemand etwas oder tut etwas, das ganz normal ist, das alle sagen oder tun. Und dir wird immer wieder klar, wie weit davon entfernt du bist. Weiterlesen