„Mehr stinkend als lebendig“ – Das lange Hallelujah, Teil 2

Ihr erinnert euch vielleicht an Das lange Hallelujah – ein Mystery-Western – oder wart bis eben gerade dankbar dafür, es vergessen zu haben. Tja, zu früh gefreut, denn wo ich mit Herrn Käse zusammenarbeite, ensteht nichts gutes. Deshalb hier ein weiterer Teil unseres vor langer Zeit begonnenen, niemals vollendeten Meisterwerks – diesmal ein Teil, der ganz allein von Herrn Käse persönlich verfasst wurde!

SHZ42YGZP5

Bitte glaubt nicht, ich hätte jemals verstanden, worum es in diesem Roman geht. Für einen Großteil war ein Zufallsgenerator verantwortlich.

(Ja, Herrn Käse gibt es wirklich. Er heißt nur in Wirklichkeit nicht so, bat mich aber, ausschließlich unter diesem Namen genannt zu werden.)

Kapitel 1: Mehr stinkend als lebendig

„Lieber Leser, was ich dir zu erzählen habe, wird für dich ganz unvorstellbar klingen, aber bitte wage zumindest den Versuch, dich in mich hineinzuversetzen,“ sagte ich zu meinem langjährigen Freund Dr. Leser Turak, dem Enkel von Birtma Turak, einer indisch-rumänischen Adligen, die früher hier in der Nachbarschaft gewohnt hatte, aber bereits seit einem halben Jahrhundert tot ist. Leser spitzte gespannt die Ohren, um dem zu lauschen, was da kommen möge.
„Gestern traf ich eine Frau, die mein Leben verändert hat. Sie ist nur einen Meter zweiundsechzig, aber sie ist so groß wie die Welt. Ich meine damit nicht nur meine Welt, sondern die Welt von uns allen.“
„Dich scheint es ja ganz schön erwischt zu haben,“ schmunzelte Leser. „Aber erzähl mir mehr von ihr. Du hast mich neugierig gemacht,“ sagte er, während er sich gemütlich in dem wuchtigen Ohrenbackensessel zurücklehnte, den er mit seiner riesigen Statur vollkommen ausfüllte. Er schlug die Beine übereinander und blickte mich erwartungsvoll an, doch ich konnte nichts mehr sagen. Aus irgendeinem Grund fühlte ich mich nicht ernstgenommen. Oder lag es daran, dass ich plötzlich Zweifel hegte, ob mein alter Freund meine Geschichte wirklich in ihrer vollen Tragweite zu erfassen vermochte? Schließlich hatten diese Erlebnisse mein Leben in seinen Grundfesten erschüttert. So etwas hatte ich noch nie erlebt! Ich musste es einfach jemandem mitteilen, doch inzwischen war ich mir sicher, dass Leser nicht die richtige Person dafür war.
„Es tut mir leid, aber ich hatte ganz vergessen, dass ich noch einen Termin habe. Lass uns ein andermal reden.“ Mit diesen Worten verließ ich meinen Freund.

Auf der Straße tummelten sich viele Menschen. Das Wetter war schön. Für diese Jahreszeit war es verblüffend warm. Ich zog meinen Parka aus und schlenderte die Allee entlang. Eine Familie kam mir entgegen. Natürlich hätten es auch drei Personen sein können, die sich gar nicht kannten und nur zufällig zur gleichen Zeit des Weges daherkamen. Ein Mann mittleren Alters, der gerade mit seiner Arbeit in der Thunfischkonservendosenfabrik fertig und auf dem Nachhauseweg war. Eine Frau im selben Alter, die sich beim allwöchentlichen Kaffeeklatsch mit ihren Freundinnen verplaudert und die Zeit vergessen hatte und nun zusehen musste, dass sie rechtzeitig Zuhause ankommen würde, um ihrem Mann das Abendessen zu bereiten. Und ein Bub, vielleicht zwölf Jahre alt, der sich mit seinen Freunden treffen wollte, um wiedermal die Katze von Witwe Nachlaus zu quälen. Aber so war es nicht. Es war eine mir vollkommen unbekannte Familie auf dem Weg zur Beerdigungsfeier von Petralina Metralijova, die mir ebenfalls vollkommen unbekannt war, allerdings bereits eine entscheidende Rolle in meinem Leben gespielt hatte, ohne dass ich davon wusste.

 

Merken

Merken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s