Throwback Thursday: Fifty Shades of Hilarious (Februar 2013)

Mit einem simplen Trick wurde ich überredet. „Stell dir einfach jedesmal, wenn sie ‚oh my‘ sagt, die Stimme von George Takei vor!“ hieß es. „Challenge accepted,“ dachte ich bei mir.

Gedacht, getan. Bei der rasch heruntergeladenen Leseprobe bin ich um drei Uhr nachts vor unterdrücktem Lachen fast vom Sofa gefallen. Und ich wollte mehr. Ich wollte ihn, ich wollte Christian Grey – oder Chrisitan Cryptic, wie er laut Protagonistin besser heißen sollte. So. Much. Pun.

Als ich tags drauf ankündigte, meine Lieblingsstellen ohne weiteren Zeitverlust zur allgemeinen Unterhaltung direkt an facebook weiterzugeben, erhielt ich auch prompte Rückmeldung: „Erspart mir das Kaufen und Selbstlesen 😉 Ey, aber nicht zensieren!“

Und weil ich nun seit zwei Stunden schmunzelnd, kopfschüttelnd, ungläubig, aber (leider?) keineswegs errötend über Fifty Shades sitze (während im Hintergrund Star Trek: Voyager läuft), muss ich meine bisher gesammelten Erkenntnisse und Bemerkungen einfach loswerden, auf dass sie mich nicht innerlich zerreissen.

Wo beginnen? Bei den vielen schlechten Wortspielen und Blödeleien, die die Autorin vielleicht für geistreich hält? Bei den ständigen Wiederholungen – oh my, ich bin nicht so dumm, dass ich innerhalb von zwei Minuten wieder vergesse, wie unglaublich gut Christian Cryptic/Ex-Edward ausschaut, wie lang seine Finger sind und wie unruly sein dunkles Haar ist. Das ständige Lippenbeißen der Protagonistin Ana/Ex-Bella ist ein zum plot device umgebautes Überbleibsel aus „Twilight“ und nervt unheimlich, und die ständige Erinnerung daran, dass sie zu blöd zum Leben ist und offenbar die letzten zwanzig Jahre in einem Keller zugebracht hat, in dem sie vermutlich die ganze Zeit stolperte und hinfiel, auch. Und Christian scheint im Gegensatz zur Charakterisierung sehr leicht zu schockieren zu sein, denn er gasped die ganz Zeit. Ansonsten ist Chistian eine großartige Vorlage für jeden soziopathischen Serienmörder – er kauft im Baumarkt Kabelbinder, Tape und Seil (fehlt nur noch das kleine Freizeitbeil, das gibt’s auch in jedem Praktiker) und es kommt keinem komisch vor. Göttlich! Bisher ist er auch die einzige wenigstens ansatzweise humorvolle Person, aber das wäre ich an seiner Stelle auch. Aber genug davon, all das wisst ihr natürlich schon aus den unzähligen Rezensionen im Netz.

Meine heutigen Lieblingsstellen, die ich nun hier mit euch teilen möchte, sind:

„Pull your knees up,“ he orders softly, and I’m quick to obey. „I’m going to fuck you now, Miss Steele,“ he murmurs as he positions the head of his erection at the entrance of my sex. „Hard,“ he whispers, and he slams into me. „Aargh!“ I cry (…).
(S. 116)

Für eine Sexszene ist das ganz großes Kino. Was sagt nochmal tvtropes.org dazu:

Narm is a moment that is supposed to be serious, but due to either over-sappiness, poor execution, excessive Melodrama, or the sheer absurdity of the situation, the drama is lost to the point of surpassing „cheesy“ and becoming unintentionally funny.

Am nächsten Morgen ist man generell guter Dinge:

„How would you like your eggs?“ I ask tartly. He smiles. „Thoroughly whisked and beaten.“ He smirks.
(S. 128)

Oh ja, die Autorin ist sich nicht zu schade dafür, jeden noch so alten SM-Witz aufzutragen. „Der ist doch noch gut! Den kann man doch nochmal benutzen!“ Bewundernswert!

Und – wir befürchten es natürlich schon seit Seite 1 – Christian Grey ist nicht nur der fröhliche Dom, sondern hatte auch eine schwere Kindheit™. Die Autorin deutet es mehrfach mit Lattenzäunen an, so oft, wie er traurig aus der Wäsche guckt und so allein aussieht, dass es das Mutterherz jeder Leserin der Zielgruppe schmelzen lässt. Falls man es aber auch in Kapitel Acht noch nicht verstanden haben sollte, bemerkt es die Protagonistin noch einmal, während sie mit ihm in Löffelchenstellung romantisch einschläft:

„Christian Grey has a sad side.“ (S.124)

Alas, poor Troubled Abuser. Alles wird wieder gut, die Macht der Liebe heilt alle Wunden. Ist doch klar, oder?

Ich freue mich schon ungemein auf all den Blödsinn, der noch auf mich wartet – wenn man dem tvtropes-Eintrag glauben darf, werden es unter anderem exquisite Beispiele von Disproportionate Retribution, Mommy Issues und Purple Prose sein. Hilarity shall ensue! Oh my!

Und natürlich [leider auch] die Not If They Enjoyed It Rationalization:

  • When a rapist denies that his/her actions can be classified as rape because the victim climaxed. This ignores the physiological fact that orgasm is as much a function of sufficient nerve stimulation as anything else.
  • When a rape is occurring, and the victim first protests and then starts having fun.
  • When a character is raped until they like it and can’t get enough of it.

[Anm. d. A.: Hier stand früher ein Video, der Link ist inzwischen allerdings tot. Stattdessen wünsche ich euch viel Freude mit dem echten George Takei – wie er 50 Shades liest. In echt. OH MY!]

2 Gedanken zu “Throwback Thursday: Fifty Shades of Hilarious (Februar 2013)

  1. Den unsagbar langweiligen Film dazu erträgt man übrigens NUR mit Gleichgesinnten und Trinkspiel.
    – bei jedem „Anastasia!“ und „Christian!“ (keine Sorge, es sind immer Ausrufe; Namen werden hier nicht _gesagt_)
    – bei jedem offensichtlichen Diebstahl von Twilight (kleine Schlucke!)
    – bei jedem als BDSM getarnten Missbrauch (Nein heisst Nein, ERST RECHT HIER)
    – immer, wenn’s zu schlimm wird (ohhhhhh, die ganze Zeit. Vertragsverhandlungen sind nicht sexy. Stalking auch nicht.)

    Das einzig Gute, das ich über den Film/das Buch sagen kann, ist, dass Teil 1 immerhin ein Happy End hat. Sie verlässt ihn. Wenn man an der Stelle die Geschichte ruhen lässt, geht’s fast.

    Gefällt 1 Person

    • Ja, der Film ist wirklich schlimm. Der ist so langweilig, weil alles, was an dem Buch trashig und dadurch noch (unfreiwillig) komisch war, weggelassen wurde. Die Inner Goddess zum Beispiel. Der 2. Film wird sicherlich genauso schlecht sein, in Relation dann allerdings besser als das Buch – welches (wie ich vom Hörensagen weiß) leider von den meisten „Oh My“s bereinigt wurde, und auch die Inner Goddess wurde kommentarlos gestrichen. So kann ein Lektorat halt ein Buch zugleich besser und schlechter machen.

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