Ratgeber Schreibwerkstatt: 5 bestrickende Prokrastinationstechniken

Ich bin zurück aus dem Bett, zumindest so einigermaßen. Und seit gestern kann ich meine tägliche Tablettenzufuhr von zehn am Tag wieder auf die normalen vier bis fünf reduzieren. Einer der großen Späße an einer chronischen Erkrankung ist ja, dass einen ein zusätzlicher Infekt so richtig schön derbe aus der Bahn werfen kann. Ich hoffe schwer, dass dieser Herbst und Winter gnädiger mit mir ist als der letzte: da war ich teilweise von vier Arbeitswochen drei krank, was ganz schön abgefuckt ist. Aber genug davon. Was ich heute vorstellen möchte, ist ein Beitrag aus der Kategorie „Schreibwerkstatt“. Ihr wisst ja, dass ich das nicht ausschließlich neben- sondern am liebsten hauptberuflich machen möchte, und es gibt sicher einige unter euch Lesern, für die Schreiben auch mehr ist als ein Hobby. Deshalb möchte ich mit euch meine persönlichen Erfahrungen, Tipps und Tricks zum Thema Schreiben teilen.

Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne... ja, wenn mit "Zauber" falche Maschen gemeint sind. Deine Mudder.

Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… ja, wenn mit „Zauber“ falsche Maschen gemeint sind. Deine Mudder.

Eine der hauptsächlichen Tätigkeiten beim Schreiben, so habe ich herausgefunden, ist das Trödeln. Das Vorsichherschieben. Um mal den hochwissenschaftlichen Fachterminus einzuwerfen: das Prokrastinieren. Ja, einige von uns sitzen, so weiß ich aus persönlichen Gesprächen mit anderen Autoren, durchaus erstmal zwei Stunden vor dem PC und trödeln, bevor sie sich endlich der eigentlichen Schreibarbeit widmen können. Ich möchte diese Praktik hier gar nicht als gut oder schlecht bewerten. Vielleicht machen das „professionelle“ Autoren das ganz anders, vielleicht geht es ihnen genauso. Völlig egal. Was ich hier mit euch teilen möchte, sind auch keine Techniken, um das Prokrastinieren zu vermeiden. Ob und wieviel ihr trödelt, müsst ihr schließlich alle selbst wissen. Mir hilft es, diese zwei Stunden einfach fest fürs Trödeln einzuplanen, geht halt nicht anders. Aber wie füllt man diese Zeit ordentlich? Und was macht man, wenn man mal so richtig trödeln will, zum Beispiel einen ganzen Nachmittag lang, aber trotzdem das Gefühl haben möchte, mehr getan zu haben als auf Facebook rumzuhängen? Und so etwas Lahmes wie Abwaschen und Putzen, damit fangen wir Profis gar nicht erst an – Hausputz macht man ausschließlich, wenn man wissenschaftliche Arbeiten vor sich her schiebt. Wir wollen hier aber keine Seminar- oder Abschlussarbeiten aufschieben, sondern unsere Schriftstellerei! Meilenweiter Unterschied, meine Damen, Herren und Andere! Hier also meine ausführlich und gewissenhaft geprüften Prokrastinationstechniken aus der Schreibwerkstatt:

1. Für kreative Atmosphäre sorgen

Ich brauche nicht in dem Sinne einen aufgräumten Schreibtisch, sondern Atmosphäre. Bei mir ist alles voller Bücher, Bilder und Kleinkram, den ich jederzeit umorganisieren kann. Dann fehlt noch eine Tasse frischer Kaffee. Oder auch ein Gewürztee. Wichtig ist, dass das Getränk zur Stimmung passt. Und dass die Bücher, Bilder und der Kleinkram so angeordnet sind, dass es zur Stimmung passt. Zu meiner aktuellen, zu der, die ich haben möchte oder zu der, über die ich schreiben will. Natürlich ist das alles Mumpitz! Aber man hat wenigstens etwas äußerst Wichtiges zu tun, denn ohne Atmosphäre schreibt es sich eben nicht gut.

Die Wand neben meinem Schreibtisch. OH MEIN GOTT so atmosphärisch.

Die Wand neben meinem Schreibtisch. OH MEIN GOTT so atmosphärisch.

2. Zeichnen, Malen, Basteln

Um mein Gehirn zu entspannen, zeichne ich zum Beispiel Tangles. So kleine Bildchen mit ulkigen Mustern. Oder ich male was aus, Mandalas oder so. Das soll ja den Geist kreativ total befreien, superkrass meditativ ist das. Oder ich klebe Sachen in irgendein Album. Meistens stresst mich das so sehr, dass ich irgendwann aus reiner Notwehr doch mit dem Schreiben anfange.

3. Pseudo-Recherche

Das ist eine tolle Sache! Wie echte Recherche, nur nicht so anstrengend! Man sucht sich halt im Netz Bilder und Artikel, die total wichtig für die Atmosphäre, den Plot oder die allgemeine Glaubwürdigkeit der Geschichte sind. Die muss man dann nicht lesen, sondern erstmal für später bookmarken, schließlich ist jetzt erstmal Quellensammlung angesagt. Wenn das Internet nichts mehr hergibt oder es mir peinlich ist, dass ich jetzt doch eine Stunde lang Bilder von Tom Hiddleston auf Pinterest gesammelt habe, widme ich mich den Büchern, die um mich verteilt sind und klebe Haftzettel rein, an Stellen die total wichtig sind, um sie später zu lesen.

Ich glaube, das hier ist mein Lieblingsbild von Tom Hiddleston. (Quelle: irgendwo auf pinterest)

Hiddleston is watching you. (Quelle: irgendwo auf pinterest)

4. Playlists

Playlists sind so eine Sache. Manche Leute können nur mit Musik, manche nur ohne, manche nur mit bestimmter… naja, ich schreibe jedenfalls fast immer mit Musik und es ist UNGLAUBLICH wichtig, dass ich die richtigen Songs für die richtige Stimmung habe (siehe Punkt 1. Atmosphäre). So eine Playlist ist dann zum Glück eine Weile gut, aber von Zeit zu Zeit muss man einfach mal umorganisieren und neue Playlists machen. Dauert ungefähr fünf Stunden, deshalb muss ich mir dafür durchaus mal eine ganze Nacht Zeit nehmen. Aber den Tag danach kann ich dann ja sowas von produktiv sein! Sage ich mir.

5. Stricken (= Aufgeben)

Wenn all diese Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg haben und ich mir trotz allem nicht blöd genug vorkomme, um endlich mit dem Schreiben anzufangen, dann hilft manchmal nur noch Aufgeben. Dann gehe ich ins Wohnzimmer, setze mich aufs Sofa und stricke. Ich stricke im Herbst und Winter unendlich viel – Anfang dieses Jahres hatte ich eine Sehnenreizung im Handgelenk und musste eine fucking Schiene tragen. So viel stricke ich. „Glaube, Liebe, Stricken“ sagt mein Lieblingskühlschrankmagnet und er hat recht. Und oft finde ich dann, wenn meine Hände beschäftigt sind, endlich etwas geistige Entspannung und manchmal kommt dann sogar eine gute Idee dabei heraus. Obwohl das dann auch wieder blöd ist, dann verstricke ich mich nämlich und müsste alles wieder auftrennen. Dann gehe ich stattdessen meistens einfach ins Bett.

STRICKEN IST KRIEG

STRICKEN IST KRIEG

So, das waren meine liebsten und effektivsten Prokrastinationstechniken! Wie trödelt ihr statt zu schreiben? Erzählt es mir in den Kommentaren!

Eure Hannah

Ein Gedanke zu “Ratgeber Schreibwerkstatt: 5 bestrickende Prokrastinationstechniken

  1. Prokrastinieren habe ich gegen Ende meines Studiums auf olympischem Niveau betrieben. Eine der skurileren Angewohnheiten ging so: „Ich möchte jetzt total gerne diesen Roman lesen. Aber eigentlich müsste ich noch das-und-das für die Uni lesen. Also darf ich den Roman erst lesen, wenn der Unikram gelesen ist. Aber jetzt will ich den Unikram grad nicht lesen. Also darf ich jetzt gar nicht lesen. Dann schau ich halt nen Film/surfe im Netz.“ Damit habe ich meinem Studium nicht wirklich geholfen, mir dafür aber viele Stunden mit Lesen verwehrt.

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