5 Filme, die mich dieses Jahr positiv überrascht haben

Wie die meisten Menschen schaue ich gerne Filme. Ob ich dabei einen eher ausgefallenen oder eher breiten Geschmack habe und ob ich eher anspruchsvoll oder einfach gestrickt bin – das weiß ich wirklich nicht so genau. Fakt ist aber, dass ich viele Filme schaue. Wir sind generell eine sehr medienaffine Familie. Deshalb hatte ich die Idee, gelegentlich auch mal über Filme und Serien zu schreiben, die ich aus verschiedenen Gründen erwähnenswert finde. Und da ich von einigen Filmen in letzter Zeit durchaus positiv überrascht war, kommt hier eine kleine Liste eben jener Filme.

Ich muss vorausschicken, zwei dieser fünf Filme sind nicht aus diesem Jahr. Sie erschienen bereits 2011 bzw. 2013 – aber ich habe sie erst dieses Jahr gesehen, deshalb ist es nicht völlig geschummelt! Zusätzlich neige ich dazu, einigermaßen realistische Erwartungen an Filme zu haben, deshalb ist auch beispielsweise Avengers: Age of Ultron (wie erwartet ziemlich gut) nicht vertreten. Ebenso wenig solche Filme wie, sagen wir mal, 50 Shades of Grey, der noch viel, viel, viiieeel beschissener war als ich es mir jemals ausgemalt habe und der für seine maßlose Hochglanz-Scheißigkeit einen eigenen Artikel verdient hätte.

50 Shades of... dogs? - https://stocksnap.io/

50 Shades of… omg that movie was so terrible. – https://stocksnap.io/

Beginnen wir also mit den beiden Filmen, die bisher völlig an mir vorbeigegangen waren und mich allein durch ihre Existenz positiv überrascht haben:

5. What’s Your Number (Der perfekte Ex) – 2011

Junge Frau stellt fest, dass sie schon viel zu viele Exfreunde angesammelt hat – nämlich viel mehr als der statistische Durchschnitt laut Frauenzeitschrift, omg!!! – und beschließt, dass einer ihrer Exfreunde der richtige gewesen sein muss. Sie beauftragt ihren extrem gut aussehenden, sehr promiskuitiven Nachbarn/Privatdetektiv, ihre Exfreunde ausfindig zu machen um diese nochmals abzuchecken. Natürlich sehen wir bereits, was am Ende dabei rauskommen wird. Allerdings ist der Film trotz der Vorhersehbarkeit und einer Prämisse, die man auch einfach in „internalisierte Misogynie“ zusammenfassen könnte, äußerst charmant, witzig und dann eben doch nicht so sexistisch. Die Protagonistin und ihr Nachbar sind erfreulich dreidimensional und der Film wartet mit skurrilen Charakteren und sehr coolen Schauspielern auf. Wer also gern eine romantische Komödie sehen möchte, dem sei zu dieser geraten!

4. The Heat (Taffe Mädels – mal ehrlich, ein dämlicherer deutscher Titel ist einfach keinem eingefallen, oder?) – 2013

„Taffe Mädels“?! Ernsthaft?! Der deutsche Titel wertet dreist die Protagonistinnen ab und stellt den Film mal eben in die übliche „Frauen können Männerberufe nur in doof und/oder sexy!“-Ecke, in der bereits jedes „Sexy-Polizistin“-Karnevalskostüm steht. Ich habe mich von dem Titel täuschen lassen, und ich wette, auch einige andere Frauen da draußen. Vergesst den deutschen Titel. Der Film ist eine coole, extrem witzige Buddy-Cop-Komödie MIT FRAUEN. Mit coolen Frauen. Die nicht über Männer oder Schuhe reden. Sondern einen Fall lösen und sich dabei irgendwie zusammenraufen müssen. Und richtig Arsch treten. Um es mit den Worten meiner Freundin Wildflower zu sagen: „Fühlen sich etwa Männer immer so, wenn sie einen Actionfilm gucken?! Sie können sich IDENTIFIZIEREN?!“ Auch hier gilt: absolute Empfehlung!

Und hier kommen die Filme, bei denen ich mit sehr unterschiedlichen Erwartungen im Kino war, die mich aber allesamt damit überraschten, wie gut sie sind. Damit meine ich, nicht einfach nur besser als erwartet, was ja nicht viel ist, wenn man mit einem Scheißfilm rechnet. Nein, diese Filme sind jeder auf seine Art erstaunlich gut bis absolut großartig und ich hätte einfach nicht damit gerechnet, wie sehr meine Erwartungen zum Teil übertroffen wurden. Als da wären:

3. Ant Man – Juli 2015

Ok, ich muss einräumen, dass Ant Man eben ein weiterer Film im Marvel Cinematic Universe ist und ich deshalb schon eine gewisse Qualität erwartet habe, auch wenn ich ihn eigentlich eher sehen wollte, damit ich keinen weiteren MCU-Film verpasst habe – ich habe schon Thor 2 und Captain America 2 nicht im Kino gesehen und mich in Nachhinein sehr darüber geärgert. Ich hatte halt so die Hoffnung, dass Ant Man besser ist als Iron Man 3. Und, naja, er war besser. Viel besser. ich habe selten im Kino so oft halblaut „what the fuck?!“ gerufen wie in diesem Film. Die Sache mit den Ameisen ist so dermaßen gut umgesetzt, und nimmt sich gleichzeitig so wenig ernst, dass es einfach Spaß macht, diesen Film zu sehen. Und ich bin sehr gespannt, wie sich Ant Man bei den Avengers machen wird – das wird echt lustig.

2. Mara und der Feuerbringer – April 2015

Whoa. Mara und der Feuerbringer. Mir fehlen immer noch ein bisschen die Worte. Ich möchte betonen, man muss diesen Film ganz klar danach beurteilen, was er sein will: eine Jugendbuchverfilmung für ein junges Publikum. Kein zweiter Herr der Ringe, kein Harry Potter. Mich hat der Off-Kommentar der Protagonistin ein wenig genervt, aber ich weiß, wenn ich noch 14 wäre, hätte ich genau das absolut großartig gefunden. Die Queste der unfreiwilligen jungen Heldin als Handlungsbogen und die Charaktere – die esoterisch-verschrobene Mutter, das gemobbte Teenie-Mädchen, die unerwartete Vaterfigur – sind genau die Klassiker, die ich in all meinen Jugendbüchern so geliebt habe. Bis dahin alles ziemlich gut, aber nicht überragend. Dann aber die Schauspieler. Die Mythologie. Die Effekte. Dieser Film muss sich nicht vor Hollywood verstecken. Ich hatte die Befürchtung, dass ich – vorgeschädigt von Marvel – diesen Loki nicht ernst nehmen könnte, zumal gespielt von Christoph Maria Herbst. Weit gefehlt. Dieser Film hat mich weit mehr bewegt, als ich gestehen möchte und ich hoffe, dass meine Tochter ihn, wenn sie alt genug ist, so sehr lieben wird wie im Moment „Die Eiskönigin“: Diesen Film hätte ich mir als Jugendliche gewünscht, während ich alle „Märchenmond“-Bände und jedes Gedicht von Tolkien immer und immer wieder las.

1. Mad Max: Fury Road – Mai 2015

Ich würde am liebsten sagen, dass zu Mad Max alles gesagt wurde. Als dieser Film in die Kinos kam, explodierten meine Social-Media-Plattformen, allen voran tumblr. Es gibt inzwischen im Netz großartige Analysen der Charaktere, der Kameraeinstellungen, des Schnitts, der symbolischen Ebene der Handlung. Ihr wollt einfach einen Actionfilm? Vergesst es. Fury Road ist so viel mehr als das. Fury Road ließ so viele Frauen begeistert und so viele Männer vage verunsichert oder enttäuscht zurück. Es ist der erste Actionfilm, der Frauen selbstständig und selbstverantwortlich handeln lässt. Der sie in den Fokus setzt ohne ihre Körper in den Mittelpunkt zu stellen. Ich sehe in diesem Film keine einzige sexualisierte, für den männlichen Blick objektifizierte Frau. Ich sehe eine postapokalyptische Gesellschaft, die ein einziges, großes Symbol für toxische Maskulinität ist, und wie diese Gesellschaft Männer wie Frauen auf ihren körperlichen Nutzen reduziert und verheizt. Sexuelle Gewalt existiert definitiv, wird mir als Zuschauerin nicht auch noch bildlich aufgezwungen. Weiblichkeit existiert in diesem Film um ihrer selbst Willen, nicht um dem Protagonisten und seiner Entwicklung dienlich zu sein. Das war für mich eine völlig neue Erfahrung – und ich befürchte, für viele Männer im Publikum ebenfalls, die völlig irritiert davon waren, dass sich nicht alles um Max – also um ihre Identifikationsfigur – drehte. Und das für eben diese Identifikationsfigur auch noch okay zu sein schien. Dieser Film hat mein Leben insofern verändert, als dass er mir gezeigt hat, wie Kino aussehen könnte. Und ja, danach tut es noch ein kleines bisschen mehr weh, sich zum wiederholten Male Black Widow bei den „Avengers“ anzusehen, oder Gamora in „Guardians of the Galaxy“ – oder, um ehrlich zu sein, fast jede Frauenrolle in fast jedem Film.

W11Y1VS4CT

It’s still a long road. – https://stocksnap.io/

Für Interessierte mehr zu Fury Road: The Verge; The Guardian

Ich hoffe, ich konnte euch helfen, falls ihr noch Material für den nächsten Filmeabend sucht.

Eure Hannah

4 Gedanken zu “5 Filme, die mich dieses Jahr positiv überrascht haben

  1. Fury Road? Voll und ganz Deiner Meinung – obwohl ihr die Kurzhaarfrisur ausgezeichnet steht 😉

    Und zumindest Heat und Antman klingen jetzt sehenswert.

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    • Oh, Furiosa ist absolut sexy – aber es sind nicht ständige Nahaufnahmen von ihrem Arsch, die mir zeigen, dass das ihre eigentlich relevante Qualität ist (siehe Gegenbeispiel Black Widow 😡 )
      Und freut mich, dass dir meine Empfehlungen weitergeholfen haben. Das ist cool! 😀

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  2. Ja, das mit Black Widow stimmt schon… Aber der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser Stelle einwerfen, das wir bisher Iron Man, Thor (sogar 3x), Captain America, Bruce Banner, Starlord, Ant-Man und das Wintersoldat in liebevollen Nahaufnahmen oben ohne kredenzt bekommen haben. Und Caps Hintern ist auch mindestens einmal pro Film in Großaufnahme. In TTDW wäscht sich Thor traurig. Die traurige Stimmung war schon in der Szene vorher klar gezeigt. Das Waschen war reiner Fanservice.

    Was ich mit dieser leicht faseligen Aufzählung sagen will, ist dass Marvels Problem ein genereller Frauenmangel ist. Die sexy Nahaufnahmen sind jedoch relativ gut auf die Protagonisten verteilt… Relativ.

    *slams fist on desk* WHERE IS HALF-NAKED SAM WILSON! That is the kind of quality content I signed up for.

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  3. Daraus könnten wir jetzt eine echt lange und interessante Diskussion über Kameraperspektive und male gaze machen, aber lass uns das mal verschieben bis meine Halsentzündung rum ist. 😀
    Nur erstmal soviel: Ja, Marvel hat echt dazu gelernt was „estrogen brigade bait“ angeht, aber die genannten Herren werden eben nur in einzelnen Szenen so präsentiert, während ansonsten ALLE Frauen in ALLEN Szenen sexualisiertes Objekt für die Kamera sind. Das passiert noch nicht einmal „absichtlich“ im Sinne von „Komm, wir objektifizieren jetzt die Frauen!!11!“ sondern im Sinne von „Guck mal, die Einstellung ist viel besser, der Zuschauer will schließlich ihren Ausschnitt sehen!“ (Was nicht stimmt, wie Mad Max eindrucksvoll beweist.)

    Hier sind zwei EXTREM gute Beobachtungen zum Thema male gaze von bonehandedknife, die Mad Max: Fury Road und Avengers: Age of Ultron gegenüber stellt:
    Mad Max Center Framed
    Mad Max, Center Frame, and the Male Gaze

    Aber Achtung, wenn man das einmal verstanden hat… well, you cannot unsee it. Ähnlich wie The Hawkeye Initiative und Comicbuchcover.

    Ach so: VOLLE ZUSTIMMUNG ZU HALF-NAKED SAM WILSON! MORE QUALITY CONTENT!

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