Un- und Vorhergesehene Hindernisse

Wie ich bereits ein- oder zweimal sanft erwähnte, war mein bisheriger Gesundheitszustand eher uncool.

20160430_171553.jpg

Story of my life?

Mit meinem Medikament (Tecfidera) war ich auch nicht glücklich – der Einschlag der Nebenwirkungen war keineswegs so mild wie damals vom Neurologen angekündigt, sondern deckte einen Großteil des Beipackzettels ab.

 

20160215_215812.jpg

Brennen…?

Gut, ich habe nicht angefangen, zu brennen.

So ziemlich alles andere war dabei, und da ich keine Lust hatte, auch noch die extrem unwahrscheinliche, aber dafür auch ziemlich tödliche Hirnentzündung mitzunehmen, habe ich mich bereits Anfang des Jahres für ein anderes Medikament entschieden. Aber bis dann alle Hürden überwunden waren, ich endlich Termine bei den zuständigen Ärzten hatte, ein neues Kopf-MRT gemacht war und so weiter und so weiter, war es dann auch August. Also habe ich vor einem Monat auf tägliche Spritzen umgestellt (Copaxone), und zwar mit der unschätzbaren Hilfe einer MS-Schwester.

woman_in_a_so_called_sexy_nurse_outfit

Nicht diese Art von MS-Schwester. Das sind die Buchstaben etwas anders. (Quelle: commons.wikimedia.com)

Ungefähr eine Woche nach der Umstellung wurde mir klar, wie krass eigentlich die Nebenwirkungen von Tecfidera gewesen waren- jetzt wo sie weg sind, weiß ich nicht, warum ich so lange mit der Umstellung gewartet habe. Aber anscheinend ist mein Zustand einfach so dermaßen schleichend schlechter geworden, dass ich die Ursache in der Krankheit sah – naheliegend – und nicht in dem Medikament. Nun kann ich nach meinem Gefühl das erste Mal in zwei Jahren wieder ein paar Tage am Stück klar denken, bin nicht mehr permantent am Ende und fühle mich auch nicht morgens schon wie ausgekotzt. An einem schlechten Tag reicht mir ein ein- oder zweistündiges Nickerchen und es geht mir danach tatsächlich besser (andere chronisch Kranke wissen, warum das so abgefahren ist). Ob das nun daran liegt, dass Copaxone die Fatigue positiv beeinflusst, oder mich Tecfidera so dermaßen fertig gemacht hat, oder ob es einfach nur die Euphorie über einen neuen Therapieversuch ist – ich weiß es nicht. Die letzten Wochen waren ein bisschen wie Fahrradfahren ohne Stützräder: Man ist noch wackelig, traut der Sache nicht so ganz, ist aber gleichzeitig total geflasht von dem Gefühl und weiß gar nicht, wo man zuerst hin radeln soll. Und hat natürlich ziemlich Angst davor, es doch noch nicht zu können und plötzlich vor ne Wand zu fahren. (Das ist mir damals als Kind tatsächlich passiert – zu schnell, nicht mehr umme Kurve gekommen, ZACK vor die Wand gekracht. Ich fahre übrigens nicht so gern Rad. Also quasi gar nicht.) Und jetzt muss ich halt wieder von neuem gucken, wann mir die Puste ausgeht und welches Tempo ich fahren kann, um den Tag durchzuhalten, um mal in dieser bescheuerten Metapher zu bleiben.

 

8uptiahrpd

Der Hipster in den kurzen Hosen steht in dieser Metapher auch für irgendwas, ich bin nicht ganz sicher, für was. Vielleicht für irgendeine Mate-Getränk, oder hat Copaxone schon gespritzt, bevor es cool war. (Quelle: stocksnap.io)

Sowas kann mich dann schon einen ganzen Monat dermaßen auf Trab halten, dass ich meinen Laptop kein einziges Mal anfasse. Sogar meine üblichen Szenenentwürfe für das Buch habe ich völlig altmodisch mit einem echten, analogen Stift in ein echtes, analoges Notizbuch geschrieben, bis mir die Hand wehtat. Abgefahren, wie so eine Umstellung das ganze Leben für ein paar Wochen durcheinander wirbelt – nichts ist mehr festgelegt, ich kann echte Wörter auf echtes Papier schreiben, wer weiß, vielleicht trage ich demnächst meine Unterwäsche als Kopfbedeckung. Anything goes, alles kann, nichts muss. Vielleicht gönn ich mir ganz hart und lese sogar mal wieder ein richtiges Buch. Ohne dabei direkt einzuschlafen.

h49rdwg6vq

ZWO, EINS, RISIKO! (Quelle: stocksnap.io)

Hoffnungsvoll, eure Hannah

 

„Mehr stinkend als lebendig“ – Das lange Hallelujah, Teil 2

Ihr erinnert euch vielleicht an Das lange Hallelujah – ein Mystery-Western – oder wart bis eben gerade dankbar dafür, es vergessen zu haben. Tja, zu früh gefreut, denn wo ich mit Herrn Käse zusammenarbeite, ensteht nichts gutes. Deshalb hier ein weiterer Teil unseres vor langer Zeit begonnenen, niemals vollendeten Meisterwerks – diesmal ein Teil, der ganz allein von Herrn Käse persönlich verfasst wurde!

SHZ42YGZP5

Bitte glaubt nicht, ich hätte jemals verstanden, worum es in diesem Roman geht. Für einen Großteil war ein Zufallsgenerator verantwortlich.

(Ja, Herrn Käse gibt es wirklich. Er heißt nur in Wirklichkeit nicht so, bat mich aber, ausschließlich unter diesem Namen genannt zu werden.) Weiterlesen

Throwback Thursday: Fifty Shades of Hilarious (Februar 2013)

Mit einem simplen Trick wurde ich überredet. „Stell dir einfach jedesmal, wenn sie ‚oh my‘ sagt, die Stimme von George Takei vor!“ hieß es. „Challenge accepted,“ dachte ich bei mir.

Gedacht, getan. Bei der rasch heruntergeladenen Leseprobe bin ich um drei Uhr nachts vor unterdrücktem Lachen fast vom Sofa gefallen. Und ich wollte mehr. Ich wollte ihn, ich wollte Christian Grey – oder Chrisitan Cryptic, wie er laut Protagonistin besser heißen sollte. So. Much. Pun.

Als ich tags drauf ankündigte, meine Lieblingsstellen ohne weiteren Zeitverlust zur allgemeinen Unterhaltung direkt an facebook weiterzugeben, erhielt ich auch prompte Rückmeldung: „Erspart mir das Kaufen und Selbstlesen😉 Ey, aber nicht zensieren!“

Und weil ich nun seit zwei Stunden schmunzelnd, kopfschüttelnd, ungläubig, aber (leider?) keineswegs errötend über Fifty Shades sitze (während im Hintergrund Star Trek: Voyager läuft), muss ich meine bisher gesammelten Erkenntnisse und Bemerkungen einfach loswerden, auf dass sie mich nicht innerlich zerreissen.

Wo beginnen? Bei den vielen schlechten Wortspielen und Blödeleien, die die Autorin vielleicht für geistreich hält? Bei den ständigen Wiederholungen – oh my, ich bin nicht so dumm, dass ich innerhalb von zwei Minuten wieder vergesse, wie unglaublich gut Christian Cryptic/Ex-Edward ausschaut, wie lang seine Finger sind und wie unruly sein dunkles Haar ist. Das ständige Lippenbeißen der Protagonistin Ana/Ex-Bella ist ein zum plot device umgebautes Überbleibsel aus „Twilight“ und nervt unheimlich, und die ständige Erinnerung daran, dass sie zu blöd zum Leben ist und offenbar die letzten zwanzig Jahre in einem Keller zugebracht hat, in dem sie vermutlich die ganze Zeit stolperte und hinfiel, auch. Und Christian scheint im Gegensatz zur Charakterisierung sehr leicht zu schockieren zu sein, denn er gasped die ganz Zeit. Ansonsten ist Chistian eine großartige Vorlage für jeden soziopathischen Serienmörder – er kauft im Baumarkt Kabelbinder, Tape und Seil (fehlt nur noch das kleine Freizeitbeil, das gibt’s auch in jedem Praktiker) und es kommt keinem komisch vor. Göttlich! Bisher ist er auch die einzige wenigstens ansatzweise humorvolle Person, aber das wäre ich an seiner Stelle auch. Aber genug davon, all das wisst ihr natürlich schon aus den unzähligen Rezensionen im Netz.

Meine heutigen Lieblingsstellen, die ich nun hier mit euch teilen möchte, sind:

„Pull your knees up,“ he orders softly, and I’m quick to obey. „I’m going to fuck you now, Miss Steele,“ he murmurs as he positions the head of his erection at the entrance of my sex. „Hard,“ he whispers, and he slams into me. „Aargh!“ I cry (…).
(S. 116)

Für eine Sexszene ist das ganz großes Kino. Was sagt nochmal tvtropes.org dazu:

Narm is a moment that is supposed to be serious, but due to either over-sappiness, poor execution, excessive Melodrama, or the sheer absurdity of the situation, the drama is lost to the point of surpassing „cheesy“ and becoming unintentionally funny.

Am nächsten Morgen ist man generell guter Dinge:

„How would you like your eggs?“ I ask tartly. He smiles. „Thoroughly whisked and beaten.“ He smirks.
(S. 128)

Oh ja, die Autorin ist sich nicht zu schade dafür, jeden noch so alten SM-Witz aufzutragen. „Der ist doch noch gut! Den kann man doch nochmal benutzen!“ Bewundernswert!

Und – wir befürchten es natürlich schon seit Seite 1 – Christian Grey ist nicht nur der fröhliche Dom, sondern hatte auch eine schwere Kindheit™. Die Autorin deutet es mehrfach mit Lattenzäunen an, so oft, wie er traurig aus der Wäsche guckt und so allein aussieht, dass es das Mutterherz jeder Leserin der Zielgruppe schmelzen lässt. Falls man es aber auch in Kapitel Acht noch nicht verstanden haben sollte, bemerkt es die Protagonistin noch einmal, während sie mit ihm in Löffelchenstellung romantisch einschläft:

„Christian Grey has a sad side.“ (S.124)

Alas, poor Troubled Abuser. Alles wird wieder gut, die Macht der Liebe heilt alle Wunden. Ist doch klar, oder?

Ich freue mich schon ungemein auf all den Blödsinn, der noch auf mich wartet – wenn man dem tvtropes-Eintrag glauben darf, werden es unter anderem exquisite Beispiele von Disproportionate Retribution, Mommy Issues und Purple Prose sein. Hilarity shall ensue! Oh my!

Und natürlich [leider auch] die Not If They Enjoyed It Rationalization:

  • When a rapist denies that his/her actions can be classified as rape because the victim climaxed. This ignores the physiological fact that orgasm is as much a function of sufficient nerve stimulation as anything else.
  • When a rape is occurring, and the victim first protests and then starts having fun.
  • When a character is raped until they like it and can’t get enough of it.

[Anm. d. A.: Hier stand früher ein Video, der Link ist inzwischen allerdings tot. Stattdessen wünsche ich euch viel Freude mit dem echten George Takei – wie er 50 Shades liest. In echt. OH MY!]

Weitere tiefsinnige Zitate auf geschmackvollem Hintergrund

Als ich neulich mal so meine Sachen durchsah, bemerkte ich, dass mein Name auf meinen Visitenkarten ja gar nicht mehr stimmt. Und die Telefonnummer war auch falsch, was allerdings eher in meiner Dusseligkeit begründet sein mag. Wie dem auch sei, ich sah mich also online mal nach neuen Visitenkarten um und während ich so vor mich hin designte, entstanden fast wie von selbst einige neue Tiefsinnige Zitate Auf Geschmackvollem Hintergrund.

Diese möchte ich euch nicht vorenthalten, bitte erfreut euch an dieser meiner unglaublichen Weisheit, während ihr würdevoll den Sinn des Lebens kontempliert.

Frau Solokowa und die Popocreme

Die junge Frau Solokowa ist nicht nur Künstlerin, Autorin und ernstzunehmendes Superwholock-Fangirl, sondern auch Erzieherin in einem Kindergarten. Und als solche weiß sie aus erster Hand: Kleine Kinder sind unberechenbar, völlig verrückt, hören nur das, was sie hören wollen und verbreiten Gerüchte fast so schnell wie Husten und Rotz. Diese Geschichte hat sich exakt so zugetragen. Also, zumindest hat sie mir Frau Solokowa ungefähr so erzählt:

Es begab sich einmal, dass Frau Solokowa trockene Lippen hatte. Wie jeder von trockenen Lippen geplagte Mensch hat sie natürlich immer etwas dagegen dabei, und weil sie Profi ist, nimmt sie (wie alle Profis, auch ich) gerne Kaufmanns Kindercreme zur Lippenpflege. Als Frau Solokowa nun just ihre rauen Lippen mit etwas von der Creme bedeckte, sah das leider eines der Kinder. Es bekam große Augen. Leicht angewidert sagte es:

„Frau Solokowa! Das ist doch Popocreme.“

„Was? Nein, das ist normale Hautcreme. Die kann man überall – “

Ein weiteres Kind unterbrach sie, den wo sich ein Desaster ankündigt, sind auch weitere Kinder nie fern. Es hatte offenbar zugehört. Auch das zweite Kind trug einen Ausdruck angewiderten Entsetzens zur Schau und sagte:

„Frau Solokowa! Schmierst du dir da Popocreme an den Mund?!“

„Nein!“, rief Frau Solokowa mit einem Gefühl dräuenden Unheils. „Nein, das ist Hautcreme für Kinder und Erwachsene, die – “

„FRAU SOLOKOWA ISST POPOCREME!“

Die Kinder waren bereits unterwegs um die schockierende Neuigkeit zu verbreiten.

„Nein, so wartet doch! Ich kann alles erklären…“

Doch Frau Solokowa wusste, sie hatte verloren.

C52A64EA10

Frau Solokowa erzählt nicht rum, dass IHR Popel esst, wenn keiner guckt, und das ist der Dank! (Quelle: stocksnap.io)